Die urigen Gemäuer der hintergrathütte in Sulden

Wie alles seinen Anfang nahm …

Adrenalin und Abenteuer

Was müssen das doch aufregende Zeiten gewesen sein! Vor ca. 200 Jahren entdeckten die Menschen in vielen Ländern Europas das "Traumland" der Alpen. Was einst eine unwirtliche Gegend war, wurde nun zum begehrten Reiseziel. Als sie die nötige Technik...

Was müssen das doch aufregende Zeiten gewesen sein! Vor ca. 200 Jahren entdeckten die Menschen in vielen Ländern Europas das "Traumland" der Alpen. Was einst eine unwirtliche Gegend war, wurde nun zum begehrten Reiseziel. Als sie die nötige Technik hatten, um in das Hochgebirge vorzudringen, tat sich eine magische Welt auf. Sie begannen es allmählich zu erschließen und bauten Hütten, um mehrere Tage dort bleiben zu können – so auch das Gebiet rund um den Ortler.

Stell dir mal vor: es gibt keine Autos, kein elektrisches Licht. Damals war die Welt noch eine ganz andere. Könige und Fürsten regierten über das Land und die Menschen. Diese mussten tun, wie ihnen befohlen worden war. Eben jene Fürsten waren es, die sich um die Erschließung der Bergwelt kümmerten.

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Tauche ein in die Geschichte der hintergrathütte und der Alpenpioniere!

Wie alles seinen Anfang nahm

Es war einmal …

Die hintergrathütte war das erste Schutzhaus Tirols und hat eine spannende Geschichte. Seinen Beginn nahm alles im Willen, den Ortler zu besteigen. Fürsten und Adelige bemühten sich, die Ersten am Gipfel des Königs zu sein und entsandten Bergoffiziere, welche den Berg für sie erklimmen sollten – doch sie scheiterten alle. Eines Tages meldete sich der unscheinbare Hausmeister und Jäger der Churburg Josef Pichler zu Diensten. Der gebürtige Passeirer nahm sich vor, als Erster den höchsten Berg Südtirols zu erobern. Bereits zwei Tage nachdem er beauftragt wurde, gelang es ihm. Man schrieb das Datum 27. September 1804. Er verwendete eine Route von Trafoi aus, die heute nicht mehr begangen wird. Bereits ein Jahr später, 1805 also, bestieg er den Ortler abermals. Diesmal jedoch von Sulden aus über den Hintergrat.

Josef Pichler hat es geschafft

Der Erste auf König Ortler

Als berühmter Alpinist erwarb das "Psairer Josele", wie er genannt wurde, die Gunst des Beamten Johannes Gebhard und erhielt den Auftrag, ein Refugium zu erbauen. Obwohl Gebhard ein Untertan von Erzherzog Johann war, erhielt dieser erste kleine Unterstand den Beinamen Gebhard'sche Hütte. Er war nicht größer als ein Biwak und lag sehr viel höher als das heutige Haus. Bereits ein Jahr später plante Gebhard den Bau der großen Schönleitenhütte an der Stelle einer Schäferhütte auf 2.248 m. Sie galt bereits als alpinistischer Stützpunkt. Es war jedoch natürlich nicht seine eigene Entscheidung, sondern er erhielt den Auftrag wiederum von Erzherzog Johann. Aufgrund des Verlustes Tirols an Bayern scheiterten diese Pläne. In jener Zeit gab es außerdem noch wenig Interesse, den Ortler über den Hintergrat zu besteigen. Um genau zu sein, zu wenig. So kam es, dass der Bau Pichlers den Umständen freigegeben wurde und allmähich verfiel.

Ein russischer Staatsrat und italienische Granaten

Von der Wende bis zum Weltkrieg

Ende des 19. Jh erlebte die Besteigung des Ortlers über den Hintergrat eine goldene Zeit. Ein russischer Staatsrat aus Warschau namens Carl Baeckmann finanzierte eine neue Hütte. Am 27. August 1892 wurde die Bäckmannhütte am Unteren Gratsee auf 2611 m eröffnet. Sie befand sich ca. 200 hm unterhalb der heutigen Hütte. Das Haus war gut ausgestattet und hatte 16 Schlafplätze: acht für Bergführer, acht für Touristen. Bewirtschaftet wurde es nicht. Durch den aufkommenden Alpinismus musste es bereits einige Jahre später – genau genommen 1895 – erweitert werden. Baeckmann schenkte es in der Folge dem Suldener Bergführerverband, der ihm im Gegenzug ein Denkmal widmete. Dieses ist noch heute sichtbar. Der Bergtourismus war ein regelrechter Sturm. Somit bauten die Bergführer eine größere Hütte am heutigen Standort. Das Haus war den österreichischen Truppen im Gebirgskrieg ein wichtiger Stützpunkt, bis es 1915 von italienischen Granaten zerstört wurde.

… bis in die Gegenwart hinein

1920er bis heute

1920 bis 1922 renovierten die Suldner Bergführer die vom Krieg mitgenonneme Herberge. Sie bot nun 20 Schlafplätze und hatte über die Jahre verschiedene Pächter. Ab 1958 bewirtschaftete Josef Pinggera, "Tammele Sepp" genannt, die Hütte. Schließlich kam Fritz Gutgsell in die Gunst, ihr Hüttenwirt zu sein. Er erwarb nach 1973 einen Teil der Hütte. Er wurde oft als zorniger Hüttenwirt bezeichnet. Wer ihn so nennt, weiß wohl nicht, dass er durch sein Gebrüll auch Menschenleben gerettet hat. In den Bergen geht das eben nur so. Sein Sohn kaufte die restlichen Teile von den Bergführern. Und so kam es, dass sich das Alpenjuwel bereits seit 40 Jahren in den Händen der Familie Gutgstell befindet. Mit ihren drei Stöcken bietet sie heute 75 Schlafplätze. Für uns, der Familie Gutgstell, ist sie weit mehr als ein Besitztum: sie ist eine Kostbarkeit. Wir haben unser Herzblut gegeben, um sie durch Ausbau- und Renovierungsarbeiten behaglich und bequem zu machen. Wenn du kommst, dann erweckst du sie zum Leben – und dafür leben wir, mit unserer ganzen Leidenschaft.

Der Krieg in Schnee und Eis

Die Ortlerfront

Im Ersten Weltkrieg gab es eine Front im Ortlergebiet. Es war bis dato das höchstgelegene Schlachtfeld in der gesamten Menschheitsgeschichte. Begonnen hatte alles mit der Besetzung des Hochjochs durch die italienischen Truppen der "Alpini". Große...

Im Ersten Weltkrieg gab es eine Front im Ortlergebiet. Es war bis dato das höchstgelegene Schlachtfeld in der gesamten Menschheitsgeschichte. Begonnen hatte alles mit der Besetzung des Hochjochs durch die italienischen Truppen der "Alpini". Große Teile der einheimischen Bevölkerung gehörten dem österreichischem Militär an. Die Männer sahen sich gezwungen, wortwörtlich Stellung zu beziehen. So besetzten sie den Gipfel des Ortlers und verlagerten die Kämpfe direkt in die Felswand hinein. Unterhalb des Gipfels errichteten sie einen Stollen aus Fels und Eis, in welchem bis zu 30 Mann monatelang ausharrten. Es gab dort eine Wetterstation, ein Feldtelefon und sogar ein Fotolabor. Proviant und Brennstoff reichte etwa für drei Wochen. Bald errichteten sie eine Seilbahn auf den Gipfel, durch welche die Kämpfer mit Munition versorgt wurden. Ab 1916 stand auf dem Gipfel sogar eine Kanone.

Bald besetzten die östrerreichischen Truppen auch die daneben liegende Königsspitze, die italienischen Alpini rückten nach auf einen ihrer Grate. An dieser Front wurde weitaus mehr Krieg geführt als am Ortler direkt. Die österreichische Seite errichtete auch auf diese Spitze eine Seilbahn und baute sich eine beheizbare Baracke in eine Gletscherspalte am Fuße des Berges. Anfangs hatten 16 Soldaten Platz, später 25 Mann. Der Schützengraben wurde durch einen Blitzschlag zerstört.

Für die Kämpfer beider Seiten war damals der jeweilige Feind trotz Maschinengewehren nicht das größte Problem: das Wetter im Hochgebirge forderte die meisten Opfer. Lawinen, Blitzschläge, Eiseskälte waren die alltäglichen Herausforderungen. Weil Krieg niemals Winterpause macht, mussten die Soldaten ihre Stellung von mehreren Metern Schnee befreien. Dennoch waren sie von der Außenwelt völlig abgeschnitten. Um dennoch Kontakt mit der Außenwelt zu halten, hielt man Brieftauben.

Bis heute erinnern Überreste der Stellungsbauten, der Ausrüstung und sogar scharfe Munition an den Wahnsinn vor nun mehr als 100 Jahren. Diese Front im Gebirge macht noch einmal mehr klar, wie sinnlos Krieg ist.

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